Dilemma für Bio-Bauern
Trotz Bio-Boom: Deutsche kaufen vor allem konventionelle Agrarprodukte
Dilemma für Bio-Bauern Trotz Bio-Boom: Deutsche kaufen vor allem konventionelle Agrarprodukte
Münster –
Bio wollen alle. Doch wenn es zur Kasse geht, fällt den Deutschen gerade beim Kauf von Fleisch die Entscheidung nicht mehr so leicht.
Von Frank Polke
Montag, 11.03.2019, 20:47 Uhr
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Deutsche Landwirte können ihr Bio-Fleisch auf dem heimischen Markt kaum vermarkten. Der Anteil von in Deutschland erzeugtem Bio-Fleisch lag im vergangenen Jahr bei gerade einmal 2,32 Prozent. Das ergab eine Auswertung eines Berichts des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zur Branchenentwicklung.
Trotz des anhaltenden Bio-Booms im Lebensmitteleinzelhandel (die Deutschen gaben im vergangenen Jahr 5,5 Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus) steigt die Zahl der Bio-Landwirte in Deutschland nicht. Im Gegenteil: Viele deutsche Öko-Bauern geben ihre Betriebe auf oder kehren zu konventionellen Produktionsstandards zurück.
Hindernis: höhere Preise
Ein Grund: Trotz anhaltender Kritik an den Umständen der konventionellen Tierhaltung sind viele Verbraucher nicht bereit, beim Metzger oder im Handel höhere Preise für Öko-Fleisch und -Wurst zu zahlen. Der Preis liegt in einzelnen Fleisch-Sparten bei dem Zwei- bis Dreifachen des „normalen“ Niveaus. Im vergangenen Jahr verkauften deutsche Landwirte konventionell erzeugtes Fleisch im Wert von 15,36 Milliarden Euro – Biobauern kamen beim Absatz lediglich auf 357 Millionen Euro. Besonders niedrig fällt der Bio-Anteil beim Geflügel mit 0,11 Prozent aus, beim Rindfleisch liegt er etwas höher.
Neben den hohen Produktionskosten durch strenge Umwelt-Auflagen sorgt vor allem das hohe Lohnniveau dafür, dass viele heimische Ökobauern ihre Produkte kaum noch beim Handel absetzen können – ihre wirtschaftliche Existenz hängt damit noch stärker von staatlichen Transferleistungen ab als bei ihren konventionell produzierenden Kollegen.
Während die ökologische Fleischerzeugung kaum ausländische Konkurrenz zu fürchten hat, setzt genau diese den heimischen Obst-, Gemüse- oder Ackerbauern stark zu. Bio-Produkte zum Beispiel aus Israel oder Spanien mögen zwar ein Siegel tragen, vielerorts werden Orangen, Tomaten oder Wein dort aber von „Billig-Arbeitskräften“ aus Nordafrika oder dem arabischen Raum geerntet.
Quelle; Westfälische Nachrichten
bewusst einkaufen – bewusst leben http://www.bio-natur-oeko.de



